PSV Cottbus '90 e.V., Abteilung Kampfkünste "Tokugawa"

Historischer europäischer Schwertkampf in Cottbus

Wir trainieren die historischen europäischen Kampfkünste (HEMA) im PSV 90 e.V. Cottbus innerhalb der Abteilung Kampfkünste „Tokugawa“.

Unser Ziel ist es, die historischen europäischen Kampfkünste zu rekonstruieren und zu neuem Leben zu erwecken. Unser besonderes Interesse gilt momentan dem Umgang mit dem langen Schwert.

Dies bedarf sicher einer Erklärung, denn es stellt sich die Frage: Wie kommt eine asiatische Kampfsportabteilung auf die Idee, sich mit den europäischen Kampfkünsten zu befassen?
Die Antwort findet sich in der Begeisterung einiger Mitglieder im Umgang mit dem asiatischen Schwert, welche mit der Zeit die Neugierde für das europäische Langschwert weckte. Aus der Neugierde wuchs schnell Begeisterung und Leidenschaft für die Techniken der alten europäischen Fechtmeister. Zusätzlich begriff man jedoch, dass der Umgang mit dem Schwert zwangsläufig zu anderen Waffen, wie dem Dolch, langes Messer, Dussak, Stange, etc. führt. Die anfängliche Neugierde führte also nicht nur auf das Feld der europäischen Schwertkunst, sondern zu einer vielfältigen europäischen Kampfkunst. An diesem Punkt schließt sich, etwas großzügig ausgelegt, wiederum der Kreis zur Abteilung Kampfkünste „Tokugawa“.

Ganz im Gegensatz zu den asiatischen Traditionen haben sich die Kampfkünste Europas nicht in einer lebendigen Tradition vom Meister zum Schüler erhalten. So war z.B. der Umgang mit dem Langen Schwert durch die fortschreitende Waffenentwicklung nicht mehr zeitgemäß. Sie wurde langsam ab dem ausgehenden Mittelalter über die frühe Neuzeit von anderen Waffengattungen im Zuge der Entwicklung der Feuerwaffen abgelöst und geriet dabei in Vergessenheit. Was in dem Bewusstsein der Öffentlichkeit darüber bis heute verblieb, ist oft nur ein verklärtes Bild, getragen von Mantel und Degenfilmen oder von Rittern hoch zu Ross.

Erst im Kontakt mit den asiatischen Kampfkünsten kam wohl die Frage auf, wie es sich diesbezüglich in Europa wirklich verhielt. Den Anstoß hierfür gab die Schwertbegeisterung einiger Sportler, mit dem nötigen Hang zur historischen Arbeit. Sie begaben sich auf den Weg in die Archive und suchten nach den Hinterlassenschaften der alten europäischen Fechtmeister. Hierbei stießen sie auf eine Vielzahl von Fechtbüchern, Manuskripten und Turnierordnungen, etc. Diese Schriften rückten sie durch Veröffentlichung und tlw. deren Transkription wieder in den Blick der interessierten Öffentlichkeit. Dieser Prozess ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen und man darf gespannt sein, was noch alles aus den Regalen der Archive zu Tage gefördert wird. Im Laufe der letzten Jahre wurde jedoch Eines klar: es handelt sich in Europa nicht nur um einen einfachen Umgang mit dem Schwert, sondern um eine Kampfkunst, die sich ständig weiterentwickelte und sogar verschiedene Wege ging. So sprechen wir heute z.B. von einer deutschen Schule nach Lichtenauer oder einer italienischen Schule, mit Fechtmeistern wie Fiore dei Liberi oder Filippo Vadi.

Für unser Training bedeutet dies, dass die Grundlage unserer Arbeit die historische Quelle ist. Die Techniken, welche die Quellen beschrieben, werden in Bewegung umgesetzt, d.h. interpretiert und eingeübt. Im Freifechten muss sich dann erweisen, ob sie sich im Kampf als tauglich erweisen und bewähren. Hier kommt der sportliche Aspekt voll zur Geltung - Ausdauer und Kampfgeist sind gefragt. Für den Einzelnen Fechter stellen sich aber z.T. andere Anforderungen als im asiatischen Kampfsport. So ist es ausdrücklich erwünscht und notwendig, die Techniken zu hinterfragen, zu vergleichen und neue Interpretationen einzubringen. Hierzu gehören auch der Austausch mit anderen Vereinen der Fechterszene und die Einbeziehung anderer historischer Waffengattungen. Für den Grundlagenunterricht beziehen wir uns auf die Langschwerttechniken Lichtenauers aus der Sammlung Peter von Danzigs (PvD). Auf diesem Weg führen wir die wichtigsten Techniken und Begriffe für das Verstehen des historischen Fechtens nach der Lichtenauerschen Lehre ein. Anschließend besteht die Möglichkeit, sein Wissen z.B. mit Peter Falkner, Sigmund Ringeck, Joachim Meyer, etc. zu erweitern. Hier kommt das Engagement des einzelnen Fechters zum Tragen.

Was benötigst du für das Training? (aufgezählt nach der Wichtigkeit)
Rücksichtnahme + Respekt
Wie beschrieben, betreiben wir eine historische Kampfkunst und verstehen dies als Kampfsport. Dementsprechend gelten die gegenseitige Rücksichtnahme und der Respekt voreinander als zwingend notwendig. Wir haben im Training keine Gegner vor uns, sondern Fechtpartner, an denen wir wachsen wollen. Unser Verhaltenskodex lehnt sich an die Dojo-Etikette an, wenngleich wir auf japanische Begriffe verzichten.


Lederhandschuhe
Sie schützen vor dem auftretenden Grat an den Schwertern und schonen die Klinge vor Rost.


Maske
Stich- und Schnitttechniken sowie Hiebe zum Kopf sind die Regel. Fehlt eine Maske mit Schutzgrad von 1600 Newton sind diese Kopfhiebe nur sehr bedingt ausführbar, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.


Schwert
Dieses kann anfänglich und zeitlich begrenzt auch ausgeliehen werden. Nicht jedes Schwert ist für das Training geeignet! Fragt also vorher den Trainer, welche Klingen geeignet sind.


Halsschutz auch Halsberge genannt.


Was benötigst du zusätzlich für das Freifechten?
Fechtmeisterjacke
spezielle Handschuhe
Suspensorium
Protektoren für Arme und Beine.


Es besteht die Möglichkeit eines 4-wöchigen Probetrainings. Melde dich dazu bitte vorher an, damit dir die nötige Leihausrüstung zur Verfügung steht. Die Anmeldung erfolgt über unseren Abteilungsleiter Raimo Ermler. Für das Training benötigst du sportliche Kleidung und ausreichend Trinken.

Wir haben kein Interesse am sogenannten Show- oder Bühnenfechten.


Trainingszeiten
Trainer